Nach dem CMR-Übereinkommen zahlt der Frachtführer für verlorene oder beschädigte Ladung höchstens 8,33 SZR (Sonderziehungsrechte) je Kilogramm Bruttogewicht. Zum Kurs vom 9. Oktober 2026 entspricht dies etwa 11,27 US-Dollar je Kilogramm. Wurde ein Wert angegeben, erhöht sich die Grenze; wurde der Schaden vorsätzlich oder durch ein dem Vorsatz gleichstehendes Verschulden verursacht, gilt die Grenze überhaupt nicht.
Was bedeutet die Grenze von 8,33 SZR?
Artikel 23 des CMR-Übereinkommens bestimmt die vom Frachtführer bei gänzlichem oder teilweisem Verlust der Ladung zu zahlende Entschädigung in zwei Schritten. Zunächst wird der Schaden nach dem Wert der Ware am Ort und zur Zeit der Übernahme zur Beförderung berechnet: maßgeblich ist der Börsenpreis, fehlt ein solcher, der Marktpreis. Anschließend wird dieser Betrag mit 8,33 Rechnungseinheiten je Kilogramm des fehlenden Bruttogewichts verglichen, und der niedrigere Betrag wird gezahlt. Rechnungseinheit ist das mit dem Protokoll von 1978 eingeführte SZR. Die Türkei ist dem CMR und diesem Protokoll mit dem Gesetz Nr. 3939 beigetreten. Für inländische Straßentransporte wendet Artikel 882 des türkischen Handelsgesetzbuchs (Türk Ticaret Kanunu, TTK) dieselbe Grenze von 8,33 SZR an.
Die Grenze hängt nicht vom Wert, sondern vom Gewicht der Ware ab. Bei schwerer und günstiger Ladung (Betonstahl, Kunststoffgranulat) deckt die Entschädigung häufig den tatsächlichen Schaden; bei leichter und teurer Ladung (Elektronik, Arzneimittel, Ersatzteile) bleibt dagegen eine große Lücke.
Was ist das SZR, und wo findet man den Kurs?
Das SZR (Special Drawing Rights, Sonderziehungsrecht) ist keine Währung, sondern ein vom IWF geschaffenes Reserveinstrument. Sein Wert wird an jedem Geschäftstag anhand eines Korbs aus US-Dollar, Euro, chinesischem Yuan, japanischem Yen und britischem Pfund berechnet und vom IWF veröffentlicht. Nach Artikel 23 Abs. 7 CMR erfolgt die Umrechnung in die Währung des Staates des angerufenen Gerichts zum Kurs am Tag des Urteils oder an dem von den Parteien vereinbarten Tag. Das TTK legt für inländische Transporte dagegen den Wert der türkischen Zentralbank (TCMB) am Tag der Übergabe der Ware an den Frachtführer zugrunde.
Beispielrechnung zum aktuellen Kurs
Nach Angaben des IWF entsprach 1 SZR am 9. Oktober 2026 etwa 1,353 US-Dollar. Bei diesem Kurs liegt die Grenze je Kilogramm bei 8,33 × 1,353 ≈ 11,27 Dollar. Bei gänzlichem Verlust ergibt sich für drei unterschiedliche Ladungen Folgendes:
| Ladung | Bruttogewicht | Rechnungswert | CMR-Grenze | Zu zahlender Betrag |
|---|---|---|---|---|
| Stahlprofile | 20.000 kg | 18.000 USD | ≈ 225.400 USD | 18.000 USD (tatsächlicher Schaden) |
| Konfektionsware | 8.000 kg | 160.000 USD | ≈ 90.200 USD | ≈ 90.200 USD |
| Elektronikplatinen | 2.000 kg | 400.000 USD | ≈ 22.500 USD | ≈ 22.500 USD |
Bei Verlust werden zusätzlich zu diesem Betrag Fracht, Zölle und sonstige mit der Beförderung zusammenhängende Kosten im Verhältnis des Verlusts erstattet (Art. 23 Abs. 4). Bei Beschädigung zahlt der Frachtführer die Wertminderung der Ware; diese Zahlung darf den Betrag nicht übersteigen, der bei gänzlichem Verlust des beschädigten Teils zu zahlen wäre (Art. 25).
In welchen Fällen erhöht sich die Grenze oder entfällt sie?
- Wertangabe (Art. 24): Zahlt der Absender einen vereinbarten Zuschlag und lässt im CMR-Frachtbrief einen Wert über der Grenze eintragen, erhöht sich die Obergrenze auf den angegebenen Wert. Die praktische Umsetzung beschreibt der Beitrag Erhöhung der Haftungsgrenze durch Wertangabe.
- Besonderes Interesse an der Lieferung (Art. 26): Bis zur Höhe des im Frachtbrief eingetragenen besonderen Interesses kann weiterer Schaden geltend gemacht werden.
- Vorsatz oder dem Vorsatz gleichstehendes Verschulden (Art. 29): Ist der Schaden durch Vorsatz des Frachtführers oder seiner Gehilfen bzw. durch ein Verschulden verursacht worden, das nach dem Recht des angerufenen Gerichts dem Vorsatz gleichsteht, kann sich der Frachtführer nicht auf die Haftungsbegrenzung berufen. Auch Artikel 886 TTK zählt leichtfertiges Handeln im Bewusstsein, dass ein Schaden mit Wahrscheinlichkeit eintreten werde, zu diesem Bereich.
Bei Verspätung gilt eine andere Obergrenze
Bei Überschreitung der Lieferfrist sieht das CMR für den Verspätungsschaden eine Zahlung von höchstens der Höhe der Fracht vor (Art. 23 Abs. 5). Im Inland setzt das TTK diese Obergrenze auf das Dreifache der Fracht fest. Rechenbeispiele enthält der Beitrag CMR-Entschädigung bei Verspätung. Für Ansprüche gilt allgemein eine Verjährungsfrist von einem Jahr, bei Vorsatz von drei Jahren.
Häufige Fehler
- Die CMR-Versicherung des Frachtführers für eine Absicherung zum vollen Warenwert halten. Diese Police deckt die gesetzliche Haftung des Frachtführers, also grundsätzlich 8,33 SZR/kg.
- Mit dem Netto- statt dem Bruttogewicht rechnen. Sowohl CMR als auch TTK legen das Bruttogewicht einschließlich Verpackung zugrunde.
- Bei hochwertiger Ladung weder eine Wertangabe machen noch eine gesonderte Warentransportversicherung abschließen.