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Wie läuft die Inbetriebnahme eines Kernkraftwerks ab?

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Kurzantwort — Inbetriebnahme (Commissioning)

Die Inbetriebnahme eines Kernkraftwerks ist der Prozess, in dem Schritt für Schritt nachgewiesen wird, dass die Systeme eines fertig gebauten Blocks auslegungsgemäß arbeiten. Sie beginnt mit kalten und heißen Funktionsprüfungen ohne Brennstoff; nach Erteilung der Betriebsgenehmigung wird Brennstoff geladen, der Reaktor erstmals kritisch gemacht, der Generator ans Netz geschaltet und die Leistung stufenweise bis zum kommerziellen Betrieb gesteigert.

Wann im Bauablauf beginnt die Inbetriebnahme?

Die Inbetriebnahme ist kein einzelnes Ereignis, das nach dem letzten Betonguss beginnt. Die Systeme werden noch während der Bauphase einzeln übernommen: zuerst die Stromverteilung, Pumpstationen und Notstromdiesel, danach die Reaktoranlage. Für Block 1 in Akkuyu erteilte die türkische Nuklearaufsichtsbehörde (Nükleer Düzenleme Kurumu, NDK) im Dezember 2023 die Inbetriebnahmegenehmigung; sie machte den Weg frei für die Vorinbetriebnahme- und Einstellarbeiten. In dieser Phase ist der Standort zugleich Baustelle und eine Anlage, die sich auf den Betrieb vorbereitet.

Die Phasen Schritt für Schritt

  1. Vorprüfungen ohne Brennstoff: Hilfssysteme, elektrische Ausrüstung und das automatisierte Prozessleitsystem werden in Betrieb genommen und eingestellt.
  2. Beladung mit Attrappen-Brennelementen: In Block 1 in Akkuyu wurden im Juni 2026 163 Attrappen-Brennelemente in den Reaktor geladen. Sie entsprechen in Konstruktion, Gewicht und Abmessungen dem echten Brennstoff, enthalten aber kein Kernmaterial (siehe Attrappen-Brennelement).
  3. Kalte hydraulische Prüfung: Der Primärkreislauf wird mit demineralisiertem Wasser gefüllt und der Druck erhöht. Bei den in Akkuyu 1 im Juni 2026 begonnenen und im Oktober 2026 abgeschlossenen Prüfungen wurde der Kreislauf auf 24,5 MPa gebracht, also auf etwa das 1,5-Fache des normalen Betriebsdrucks.
  4. Heiße Funktionsprüfung: Die Ausrüstung wird bei betriebsnahen Temperaturen und Drücken getestet; die vier Hauptkühlmittelpumpen werden bei mindestens 260 °C geprüft.
  5. Brennstoffbeladung und physikalischer Anlauf: Nach Erhalt der Betriebsgenehmigung wird der echte Brennstoff geladen. Der Reaktor wird auf dem niedrigsten kontrollierbaren Leistungsniveau erstmals kritisch gemacht, und die physikalischen Parameter des Kerns werden gemessen.
  6. Energetischer Anlauf: Die Turbine wird hochgefahren, der Generator mit dem Netz synchronisiert und die Leistung stufenweise erhöht; auf jeder Stufe läuft ein eigenes Prüfprogramm.
  7. Probebetrieb und kommerzieller Betrieb: Nachdem ein stabiler Betrieb bei Volllast über einen bestimmten Zeitraum nachgewiesen ist, geht der Block in den kommerziellen Betrieb.

In der russischen Praxis heißt Schritt 5 „physikalischer Anlauf“ und Schritt 6 „energetischer Anlauf“. Deshalb begegnen Ihnen genau diese Begriffe auch in den Unterlagen russischer Lieferanten.

Wer leitet, wer genehmigt?

Die Prüfungen führen die Genehmigungsinhaberin Akkuyu Nükleer A.Ş. und ihre Auftragnehmer durch; die NDK beaufsichtigt jeden kritischen Schritt. Auch die Beladung mit Attrappen-Brennelementen erfolgte unter Aufsicht der NDK. Nach der am 2. Oktober 2026 vorgenommenen Änderung der Verordnung über Genehmigungen für Kernanlagen (Nükleer Tesislere İlişkin Yetkilendirmeler Yönetmeliği) umfasst die Prüfung der Betriebsgenehmigung auch den Abschlussbericht der Inbetriebnahmeprüfungen. Zudem legt die Verordnung fest, dass kein Brennstoff in den Reaktor geladen werden darf, bevor die Maßnahmen des nuklearen Sicherungsplans umgesetzt sind. Die Freigabepunkte der Prüfungen folgen der Logik von Hold Point und Witness Point.

Warum verdichtet sich die Logistik in dieser Phase?

Bei der Inbetriebnahme ist nicht das Schwergut das Problem, sondern die Zeit. Eine kleine Dichtung oder ein Sensor, der während einer Prüfung getauscht werden muss, kann das gesamte Programm anhalten, bis Ersatz eintrifft.

  • Ersatzteile: Dichtelemente, Filter, Messsensoren und Armaturenteile müssen kurzfristig auf die Baustelle gelangen.
  • Chemikalien: Ein Teil der Reagenzien für die Wasserchemie gilt als Gefahrgut und wird nach den ADR-Vorschriften befördert.
  • Temporäre Ausrüstung: Prüf- und Messgeräte gehen oft an den Hersteller zurück; das Verfahren der vorübergehenden Verwendung sollte von Anfang an eingeplant werden.
  • Serviceteams: Werkzeugkoffer und kalibrierte Geräte der Herstellerspezialisten sind ebenfalls eigene Sendungen.

Wie unterstützt Voltim Global Sie dabei?

Für einen dringend benötigten Sensor oder eine Dichtung in der Prüfphase kann man nicht immer auf die Abfahrt eines Schiffes warten. Ist keine passende Ro-Ro-Abfahrt verfügbar, kann Voltim Global dieselbe Ladung auf die Straße über Werchni Lars (Upper Lars)–Georgien oder über Iran verlagern und die Dokumente vorbereiten lassen, während das Fahrzeug bereits unterwegs ist. Diese Flexibilität ist Teil der Versorgungslinie Russland–Akkuyu.

Häufige Fragen

Wann wird Block 1 in Akkuyu Strom erzeugen?
Stand Oktober 2026 sind in Block 1 die kalten hydraulischen Prüfungen des Primärkreislaufs abgeschlossen; als Nächstes folgen die heißen Funktionsprüfungen. Laut World Nuclear News ist das Ziel, dass der Block bis Ende 2026 Strom in das türkische Netz einspeist. Brennstoffbeladung, Erstkritikalität und Netzanschluss folgen nach diesen Prüfungen und hängen von der Betriebsgenehmigung ab.
Was ist der Unterschied zwischen Inbetriebnahme und kommerziellem Betrieb?
Die Inbetriebnahme ist die Prüfphase, in der nachgewiesen wird, dass der Block auslegungsgemäß arbeitet; selbst der erste Netzanschluss gehört noch dazu. Der kommerzielle Betrieb beginnt erst, wenn ein stabiler Volllastbetrieb nachgewiesen und die erforderlichen Abnahmen abgeschlossen sind. Zwischen dem ersten Strom und dem kommerziellen Betrieb können Monate liegen, weil die Leistung stufenweise erhöht wird und auf jeder Stufe eigene Prüfungen stattfinden.
Ist die Fracht, die während der Inbetriebnahme ans Kraftwerk geliefert wird, radioaktiv?
Nahezu alle angelieferten Ausrüstungen, Ersatzteile und Chemikalien sind nicht radioaktiv und unterliegen den allgemeinen Beförderungsvorschriften. Die einzige wesentliche Position mit eigenem Regime ist frischer Kernbrennstoff; der Brennstoff für Akkuyu 1 traf im April 2023 am Standort ein. Einzelheiten erläutert der Beitrag Ist nukleare Ausrüstung radioaktiv?.

Veröffentlicht: 05.11.2026 · Voltim Global